Einsamkeit vs. Nikotin – 15 Kippen oder Allein unter Freunden?

Einsamkeit ist genauso schädlich ist wie 15 Zigaretten an einem Tag. Das finden vor zwei Jahren Forschende in einer Studie mit Daten von über 300.000 Menschen heraus.

Doch was ist dran an dieser Wissenschaft und wie ist sie zu verstehen? Gerade in Zeiten wie diesen ist uns der Begriff Einsamkeit wohl mehr als bekannt – wieviele Kippen wiegen das Gefühl jetzt wieder auf?

Menschen bereichern das Leben. Menschen bereichern Menschen. Nicht immer zwar, sonst gäbe ist nicht die vielen Songs über gebrochene Herzen und verflossene Lieben. Und Shakespeare wäre sicher nicht die Legende, die er heute ist. Aber im Gesamtbild betrachtet bereichern Familie, Freunde und die eine oder die große oder die letzte Liebe das Leben. Vielleicht auch der One-Night-Stand von gestern Nacht.

Julianne Holt-Lunstad und Timothy Smith von der Brigham Young University im US- Bundesstaat Utah veröffentlichen vor zwei Jahren in dem Fachmagazin “PLoS Medicine” eine Studie, die besagt, dass Einsamkeit nicht weniger schädlich ist als 15 Zigaretten an einem Tag.

Einsamkeit schlägt auf die Lunge?

Nein. Einsamkeit schadet dem gesamten Organismus. 140 Studien mit Daten von mehr als 300.000 Menschen haben die Forschenden über 7,5 Jahre beobachtet und analysiert und daraus das Sterberisiko errechnet. Berücksichtigt wurden auch Alter, Geschlecht und der soziale Status.
Das Ergebnis: Menschen mit einem intakten Sozialleben haben eine 50prozentig höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit wenig sozialen Kontakten.

Dieses Ergebnis haben Julianne Holt-Lunstad und Timothy Smith mit anderen schädlichen Lebensformen verglichen.
1. Einsamkeit schadet genauso viel wie 15 Zigaretten an einem Tag oder Alkoholmissbrauch
2. Einsamkeit ist ungesünder als gar keinen Sport zu treiben
3. Einsamkeit ist doppelt so schädlich wie Fettsucht
Das Herz ist der wichtigste Muskel, den wir Menschen besitzen. Da ist es nahliegend, dass die Gesundheit betroffen ist, wenn das lebenswichtige Organe geschädigt ist. Und wer Einsamkeit kennt, weiß dass sie sich genau da, in der Brust festsetzt. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden zwischen dem Einsamkeitsgefühl an grauen Dezembertagen und einem kontinuierlichen Gefühl der Ohnmacht. Dass sich gerade während einer weltweiten Pandemie Sorgen und Ängste breitmachen, sowohl bei Menschen mit und ohne einer psychischen Erkrankung, sei zu erwarten gewesen – so Prof. Katarina Stengler, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Helios Park-Klinikum in Leipzig. Nicht selten können diese Symptome dann auch zu einer Depression führen.
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Der Mensch ist ein soziales Wesen

Auch wenn die Sehnsucht an vielen Tagen nach Ruhe und dem mal wieder Allein sein da sein mag – der Mensch ist kein Einzelgänger. Er braucht Freundschaft, Liebe, abgesehen davon, dass er zur Fortpflanzung im herkömmlichen Sinne einen Partner braucht. Doch leben wir besonders in westlichen Industrieländern in einer Moderne, die es uns nicht immer leicht macht. Wir fälschen unser Selbstbild auf Sozialen Netzwerken und suchen so etwas wie Liebe auf Tinder… Besonders im Zeitalter von Corona und virtueller Kommunikation, wie auch des Internets, sollten wir uns ganz sicher immer wieder in Erinnerung rufen, dass moderne Technologie kein Ersatz für soziale Kontakte ist. „I’m tired of using technology.“

An wen kann ich mich bei Einsamkeit wenden?

Telefonseelsorge
0800/111 0 111
0800/111 0 222
116 123
Silbernetz
speziell für ältere Menschen, die sich einsam fühlen
0800 4 70 80 90
Hausärzte
bei schwereren psychischen Problemen
Ärztlicher (psychiatrischer) Bereitschaftsdienst
bundesweite Tel.: 116 117
Leah Besser

Leah Besser

Kontakt: leah.besser@helpmade.de

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